aufatmen – durchatmen

14.10.2016

reformiert.lokal Wallisellen

 

Ich kann mich gut daran erinnern, wie ich vor ein paar Jahren meine Abschlussarbeit auf die Post brachte. Es war ein tolles Gefühl. Eine intensive Arbeitszeit mit wenig Freizeit lag hinter mir. Der ganze Druck fiel mir von den Schultern, ich war sichtlich erleichtert.

 

Anfangs dieses Jahres fiel mir ein Stein vom Herzen, als der Befund nach einer ärztlichen Untersuchung negativ war. Vorgängig musste ich mit dem Schlimmsten rechnen. Die befürchtete Diagnose traf Gott sei Dank nicht ein.

 

Vielleicht kennen Sie, liebe Leserinnen und Leser auch solche Momente, in denen Sie „aufschnaufen“ und tief durchatmen konnten. Bestimmt, denn wer kann sich in der heutigen Zeit dem Arbeitsdruck, der Hektik und Schnelllebigkeit der Gesellschaft schon entziehen? Umso wichtiger sind Oasen der Ruhe, Orte, wo wir uns erholen und entspannen können. Umso wertvoller sind Augenblicke des Aufatmens und Durchatmens.

 

Eine solche Oase, wo Menschen auf- und durchatmen können, findet sich seit kurzem im Glatt. Mitten in der lauten und hektischen Welt des Konsums findet sich ein Raum der Stille, der dazu einlädt, eine kürzere oder längere Verschnaufpause einzulegen. Raum+Stille heisst das Projekt, das vom Glattzentrum, der katholischen und reformierten Kirche gemeinsam getragen wird. Der Raum bietet neben Stille Literatur zu den Weltreligionen an, eine Kerzenburg und ein Anliegenbuch, um Wünsche und Gebete niederzuschreiben. Ein Seelsorgeteam sorgt zudem für ein Gesprächsangebot, das aufatmen und durchatmen lässt.

 

Jesus sagte vor fast 2000 Jahren, was heute noch Geltung hat: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Der Theologe Friedolin Stier übersetzt dieses Wort Jesu so: „Heran zu mir alle, ihr Mühenden und Überbürdeten. Ich werde euch aufatmen lassen. Ihr werdet Aufatmen finden für euer Leben.“

 

Alle sind angesprochen, unabhängig von Konfession und Religion. Jesus hat es selbst gebraucht. Er hat es vorgemacht. Mitten im Trubel, mitten im Gebraucht-werden hat er sich zurückgezogen, auf einen Berg, an einen einsamen Ort. Fast scheint es so, als habe er die Agenda zugeschlagen, das Handy abgeschaltet und gesagt: „Jetzt bin ich dran. Jetzt habe ich Zeit mit mir selber und meinem Gott.“ Jesus hat sich diese Zeit genommen. Wir alle können dasselbe tun, aufatmen und durchatmen, praktisch überall auf dieser Welt: in einer Kapelle, in einer Kirche, Moschee oder Synagoge, in einem Tempel, in der Natur, am Wasser, an einem Fluss, an einem See, auf einem Berg, zuhause, im Garten, in den Räumen der Stille im Bahnhof und Flughafen Zürich, im Sihlcity genauso wie in Raum+Stille Glatt. Nur zu, lassen Sie sich aufatmen!

 

Matthias Jost

 

Artikel erschienen am 19.10.2016 in reformiert.lokal Wallisellen, hier als PDF herunterladen

 

 

 

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